"Leben - was sonst?"

 

Die Woche vom 03.-09. April stand in der ARD unter einem ganz besonderen Motto: "Leben - was sonst?".

Eine Woche lang wurden in allen TV- und Radiosendern der ARD-Rundfunkanstalten Sendungen und Aktionen rund um das Thema Krebs präsentiert. Partner waren dabei die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebsgesellschaft.

Auch der Radiosender SWR4 machte mit. Highlight dort war eine große Typisierungsaktion am 07. April. In fünf Landesstudios wurden die Hörer aufgerufen, sich als Stammzellen-Spender registrieren zu lassen. Unterstützt wurden die Teams vor Ort von zahlreichen Prominenten wie zum Beispiel von Jule Neigel (in Mannheim) und Thomas Anders (in Koblenz).

Die Aufgabe der Promis bestand eigentlich nur in der Aufnahme der Spenderdaten, aber wie heißt es doch so schön: Immer mit gutem Beispiel voran gehen. Und so ist es kein Wunder, dass die meisten auch gleich selber Blut ließen und somit evtl. zu registrierten Stammzellenspendern werden.

Wir haben uns ein wenig umgehört und können Euch daher nachfolgend zwei Interviews präsentieren. U.U. mag ja der eine oder andere von Euch ebenfalls Stammzellenspender werden....

Interview mit Frau Lohde von der DKMS:

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, kurz DKMS, wurde 1991 gegründet. Könnten Sie uns kurz erläutern, welche Aufgabe die DKMS hat? Wie viele potentielle Spender konnten mittlerweile erfasst werden und wie groß sind die Chancen, dass man als Spender auch wirklich zum Einsatz kommt?

Diagnose Leukämie: So lautet alle 45 Minuten für einen Menschen in Deutschland die schreckliche Wahrheit. Viele Patienten sind auf eine Stammzelltransplantation angewiesen. Passende Spender zu finden ist so schwierig wie die Suche nach der "Stecknadel" im Heuhaufen. Diese Chancen zu verbessern hat sich die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei zur Aufgabe gemacht. Wir wollen immer neue Menschen aufklären und dazu motivieren, sich als potenzielle Lebensretter zur Verfügung zu stellen. Obwohl bereits über 1,37 Mio. Menschen bei uns registriert sind, findet noch immer jeder Vierte Patient keinen Stammzellspender!

Die Chance einen "genetischen Zwilling" zu finden schwankt zwischen 1:20.000 im günstigsten Fall und 1 zu mehreren Millionen, wenn die Gewebemerkmalskombination sehr außergewöhnlich ist. Die Wahrscheinlichkeit für einen Spender, einem Patienten eine neue Lebenschance zu schenken liegt bei ca. ein Prozent.

Wer kann spenden? Welche Vorraussetzungen muss man erfüllen?

Grundsätzlich alle Menschen, die zwischen 18 und 55 Jahre alt und in guter körperlicher Verfassung sind. Zu Ihrem Schutz und zum Wohle der Patienten gibt es einige Ausnahmen wie z.B. chronische Erkrankungen.

Nehmen wir mal an, ich möchte mich typisieren lassen. Was muss ich dann tun und wie teuer ist eine Typisierung?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich als Stammzellspender aufnehmen zu lassen. Entweder kommt man zu einer Typisierungsaktion oder man lässt sich über unser Internet die notwendigen Unterlagen zuschicken und geht zur Blutabnahme von 5 ml zu seinem Hausarzt.

Die Typisierung kostet die DKMS 50 Euro. Dies muss der Spender nicht zwangsläufig selbst übernehmen. Da wir aber auf Geldspenden angewiesen sind, bitten wir um eine Spende. Wer selbst keinen Beitrag leisten kann, der kommt auf eine Warteliste. Diese Warteliste wird z.B. über Geldeingänge in ca. 6 Wochen "abgearbeitet", von Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht Spender werden können. 

Was passiert anschließend? Wie sieht die eigentliche Spende aus? Wer trägt hier die Kosten und welche "Gefahren" bestehen für den Spender?

Wenn Übereinstimmungen der Gewebemerkmale zwischen einem Patienten und einem Spender festgestellt werden, wird dessen Blut nach Absprache weiter untersucht, bis er letztendlich als bestgeeignetster Stammzellspender ausgewählt wird. Vorher liegt noch ein ausführlicher GesundheitsCheck, bei dem alle Risiken für den Spender ausgeschlossen werden. Die Kosten für alle Untersuchungen und Ausgaben des Spenders wie Reisekosten, Verdienstausfall etc. werden von der DKMS mit der Krankenkasse des Patienten abgerechnet. Dem Spender entstehen keine Kosten!

Welche Methoden zur Stammzellentnahme gibt es? Worin unterscheiden sie sich und wovon hängt es ab, welche eingesetzt wird?

Die Stammzellen, die einem erkrankten Menschen die Chance auf Leben geben sollen, sind vor allem im Beckenknochen angesiedelt. Es gibt zwei Verfahren zur Gewinnung dieser Stammzellen: Erstens durch die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm und zweitens durch die periphere Stammzellentnahme.

Bei der Knochenmarkentnahme: Dies hat rein gar nichts mit dem Rückenmark zu tun, ein immer noch weit verbreitetes Vorurteil. Die benötigten Stammzellen werden dem Spender bei dieser Methode unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem hinteren Beckenknochen entnommen. Dazu gehören in der Regel zwei kleine Schnitte oder einige Einstiche, die rasch verheilen. Die Entnahme dauert etwa 60 Minuten. Dabei wird durchschnittlich ca. ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch entnommen. Das entspricht etwa fünf Prozent des Gesamtvolumens, welches der gesunde Körper schon nach zwei Wochen nachgebildet hat. Der Spender wird i.d.R. einen Tag vor der Entnahme in die Klinik aufgenommen und bleibt zur Nachbeobachtung die Nacht nach der Entnahme, um dann üblicherweise am dritten Tag nach Hause entlassen zu werden.

Ein weiteres Verfahren ist die periphere Stammzellentnahme, die inzwischen bei drei Viertel der DKMS-Spender angewendet wird.

Bei dieser Methode bekommt der Spender über fünf Tage hinweg (z.B. beim Hausarzt) einen Wachstumsfaktor (hormonähnlicher Stoff) unter die Haut gespritzt. Er nennt sich G-CSF und wird vom Körper bei jeder Infektion hergestellt und kann seit einigen Jahren im Labor reproduziert werden. Dieser Stoff bewirkt, dass die Stammzellen, die überwiegend im Knochenmark vorkommen, ins fließende Blut ausgeschwemmt werden.

Nach Abschluss dieser Vorbehandlung können die Stammzellen dann über ein spezielles Verfahren (Apherese) ähnlich wie bei einer Thrombozytenspende aus dem Blut gesammelt werden. An beiden Armen werden venöse Zugänge gelegt. Das Blut fließt von einem Arm aus durch einen sogenannten Zellseparator und über einen zweiten Zugang in den Körper zurück. In diesem Gerät werden die Stammzellen durch Zentrifugalkraft vom restlichen Blut getrennt und für die Transplantation gesammelt. Dies geschieht an max. zwei aufeinander folgenden Tagen in der Entnahmeklinik. Der Spender musst dazu nicht stationär aufgenommen werden, sondern übernachtet im Hotel.

Die Beschwerden bei der Knochenmarkentnahme entstehen hauptsächlich durch die Punktion des Knochenmarks (Schmerzrezeptoren der Knochenhaut), die Gewebeverletzung und den Bluterguss (Schmerzrezeptoren des Gewebes). Die Schmerzen treten in der Regel direkt mit der Entnahme auf und können stark variieren - sowohl in Bezug auf die Dauer als auch auf die Stärke (häufig wird das Gefühl beschrieben, als habe man sich an der Tischkante gestoßen). In der Regel lassen die Schmerzen spätestens nach einigen Tagen wieder nach.

Bei der peripheren Stammzellentnahme können während der Stimulation (Anregung) der Stammzellproduktion durch die körpereigene Substanz G-CSF Gliederschmerzen auftreten, die mit denen während einer Grippe vergleichbar sind.

Da die Entnahme des Knochenmarks ohne Betäubung schmerzhaft wäre, ist eine Vollnarkose notwendig. Das Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen bei einer Vollnarkose wird von Ärzten mit weniger als etwa 1:50.000 angegeben. Nach der Entnahme können Wundschmerzen und vereinzelt Übelkeit als Nachwirkung der Vollnarkose auftreten. Außerdem besteht ein Infektionsrisiko, wie es für eine Wunde gilt.

Für die Lebensspende mittels der peripheren Stammzellentnahme ist weder eine Vollnarkose noch eine stationäre Aufnahme ins Krankenhaus erforderlich. Das Verfahren der peripheren Stammzellentnahme wird in der Medizin seit 1988 angewandt, bei DKMS-Spendern seit 1996. Es gibt keine Hinweise auf Langzeitnebenwirkungen der Stimulation mit G-CSF. Spätfolgen sind in der mehr als 10jährigen Dauer der klinischen Anwendung bisher nicht beobachtet worden.

Was passiert, wenn jemand nur zu einer Methode bereit wäre?

Welches Entnahmeverfahren gewählt wird, entscheidet der Transplanteur. Dies ist zum Teil abhängig von der Erkrankung des Patienten. Natürlich werden Wünsche des Spenders berücksichtigt. Jedoch kann abhängig von der Einzelsituation eine Methode aus medizinischen Gründen wegfallen oder bevorzugt werden. Grundsätzlich sollten Spender zu beiden Methoden bereit sein.

Kann ich ggf. meine Bereitschaft zur Registrierung oder gar Spende zurückziehen?

Die Entscheidung für oder gegen eine Stammzelltransplantation ist für die Beteiligten schwierig. Es gibt persönliche und andere Gründe, sich kurzfristig doch noch von einer Spende zurückzuziehen. Sie sollen daher wissen, dass wir, egal wie der Spender sich entschließt, seine Entscheidung in jedem Fall respektieren. Es wäre jedoch sehr schade, da er als "Stecknadel im Heuhaufen" schon gefunden wurde. Hat er seine Zusage jedoch kurz vor der eigentlichen Transplantation einmal erteilt, wird die Vorbereitungsphase des Patienten für die Stammzelltransplantation eingeleitet. Ab diesem Zeitpunkt kann der Patient ohne nachfolgende Übertragung gesunder Stammzellen des Spenders nicht überleben.

Wenn eine erfolgreiche Transplantation erfolgte, kann nach 2 Jahren Kontakt zwischen Spender und Empfänger aufgenommen werden. Was passiert, wenn einer der beiden Partner dazu nicht bereit ist oder evtl. später seine Meinung ändert und doch Kontakt aufnehmen möchte?

Wenn Spender und Patient beide ihr Einverständnis geben, können sie sich nach Aufhebung der Anonymitätsfrist von zwei Jahren kennenlernen. Für beide ein ganz besonderes Erlebnis. Viele Spender möchten aber auch keine Dankbarkeit des Patienten, sie sind einfach froh, zu wissen, dass Sie geholfen haben. Dann passiert einfach nichts weiter. Es sind keine Verpflichtungen damit verbunden.

Sofern jemand nicht als Spender in Frage kommt oder es nicht sein möchte. Wie kann man dennoch die DKMS unterstützen?

Es gibt viele Möglichkeiten die DKMS zu unterstützen. Man kann wie beschrieben selbst Stammzellspender werden oder mit einer Geldspende zu einem "Lebenspaten" werden: Spendenkonto: 255 556 bei der Kreissparkasse Tübingen (BLZ 641 500 20).

Vielen Dank für Ihre Antworten. Wir wünschen Ihnen noch viele spendenwillige Menschen!  

P.S.: 
Solltet Ihr weitere Fragen bzgl. der Stammzellenspende haben, so findet Ihr auf der Homepage der DKMS ausführliche Informationen: www.dkms.de. Per Email können dort auch noch persönliche Fragen gestellt werden. 

Interview mit Thomas Anders:

 

Thomas, im Rahmen der ARD-Themenwoche "Leben - was sonst?" rief der SWR4 zu einer großen Typisierungsaktion auf. Mit von der Partie waren einige Prominente, deren Job eigentlich "nur" die Registrierung der Spender war. Doch die meisten Promis ließen sich auch gleich selber "anzapfen" und als Stammzellenspender registrieren. Auch Claudia und Du haben da mitgemacht. Warum Eure Teilnahme an der Aktion?

 

Ich finde es wichtig, dass man als Promi auf solche Aktionen aufmerksam macht. Man kann wirklich Leben retten

 

Was passiert jetzt mit Eurem Blut?

 

Das Blut wirkt kontrolliert und gecheckt, ob der Spender tatsächlich in die engere Wahl eines Spenders kommen kann.

 

Als der SWR4 um Deine Teilnahme bat, war Dir da gleich klar, dass Du nicht nur protokollieren, sondern auch spenden würdest?

 

Man hat es mir und Claudia freigestellt, ob wir spenden und uns eintragen lassen wollen. 

 

Wie war Dein Eindruck von der Aktion und der Beteiligung der Koblenzer?

 

Sehr entspannt und professionell. Es haben insgesamt 170 Menschen gespendet.

 

Hattest Du Gelegenheit mit den Spendern zu sprechen und deren Motivation zu erfahren?

 

Natürlich mußten wir mit allen sprechen. Was uns besonders auffiel, dass sehr viele junge Menschen mitmachten.

 

Wird diese Aktion Deine einzige Teilnahme dieser Art sein oder kannst Du Dir vorstellen noch des öfteren für die DKMS tätig zu werden?

 

Es ist immer eine Zeitfrage. Grundsätzlich bin ich immer für solche Aktionen bereit.

 

Thomas, wir danken Dir für Deine Antworten und hoffen, dass vielen Leuten mit der Aktion geholfen werden kann.

Weitere Bilder von der Aktion in Koblenz findet Ihr beim SWR4.

 

Wir danken allen Beteiligten und hoffen, dass möglichst vielen Menschen geholfen werden kann!

Logo/Banner DKMS: (c) DKMS, mit freundlicher Genehmigung.
Foto Typisierung in Koblenz: (c) SWR4, mit freundlicher Genehmigung.
Interviews: (c) C. Kleinfeld

 

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Erstellung: 12.04.2006, letzte Aktualisierung: 12.04.2006